AKTUELL

Sa 26. + So 27. September 2020 um 20 Uhr Live-Lese-Hörspiel

Gesetz der Schwerkraft
Open Air im Kastaniengarten an der Westseite vor dem Kommunalen Kino Freiburg, Urachstraße 40, 79102 Freiburg

In „Gesetz der Schwerkraft“ geht um die beiden Teenager Dom, die_der sich selbst als Transgender bezeichnet und Fred, schwul und um die Anerkennung in der Klasse kämpfend. Beide verbindet eine tiefe, aber nicht unkomplizierte Freundschaft. Sie stoßen an die Toleranzgrenzen ihrer Umgebung, werden gemobbt und empowern sich gegenseitig. Sie stehen gegen alle Widrigkeiten ihres sozialen Umfelds zusammen. Die akustische Untermalung der szenischen Profi-Lesung wird live ins Radio übertragen und kann auch über Twich gestreamt werden.

Mit ,,Das Gesetz der Schwerkraft" soll wieder in Kooperation mit dem Theaterkollektiv RaumZeit ein Theaterstück auf die Bühne bringen, das die Lebenswelt von 14jährigen Jugendlichen aus dem LGBTTIQ+ Bereich in Szene setzt. Das Stück, geschrieben von dem kanadischen Autor Olivier Sylvestre, setzt sich kritisch mit dem heteronormativ geprägten Gesellschaftsbild auseinander. Freundschaft und Akzeptanz, ebenso das Anderssein und die Selbstfindung werden hier thematisiert.
Es ist die Geschichte von Dom und Fred, zwei 14-Jährigen, die verschiedener und gleichartiger nicht sein könnten. Dom, der als Mädchen geboren wurde, sich aber gerne wie ein Junge kleidet, lehnt das gesamte Konzept von Geschlechterrollen ab. Fred, der durchweg homosexuelle Tendenzen zeigt, will einfach nur ein „normaler“ Junge sein. Beide schmieden den Plan, die Kleinstadt, in der sie wohnen, zu verlassen, die Brücke zu überqueren, die sie in eine utopische Großstadt und zur Erfüllung ihrer Wünsche führen soll. Ihr Weg dorthin ist geprägt von Diskriminierung, Ausgrenzung und falschen Freunden. Trotzdem legen sie ihn zurück. Gemeinsam überschreiten sie die Brücke, die so viel mehr bedeutet, als einfach nur die Überquerung eines Gewässers. Obwohl nie ein Wort wie schwul oder transgender im Stück explizit genannt wird, sind sie dennoch implizit omnipräsent. Dadurch werden die elementaren Fragen aufgeworfen: Muss man der Norm entsprechen um
akzeptiert zu werden? - Und was ist überhaupt die Norm? Ohne schulmeisterlich zu referieren, gelingt es Sylvestre eine differenzierte Auseinandersetzung mit der aktuellen Thematik.

Zielgruppe sind vor allem Jugendliche im Alter von 13-18 Jahren, die sich in diesem Alter selbst in einer Phase der Selbstfindung befinden. Fragen “Wer bin ich”, “Wie muss ich sein”, “Was ist normal und was nicht” stellen sich automatisch. Dazugehören spielt eine große Rolle, so dass sich die beiden jugendlichen Protagonist*innen an heteronormativen und binären Rollen orientieren, bzw. an den an sie gestellten Erwartungen abarbeiten. Wer anders ist und sich anders fühlt weiß oft nicht wie sie_er dies ausdrücken oder leben soll. Sie_er versteckt sich und versucht sich anzupassen, oft so nachhaltig, dass die eigene Identität und sexuelle Neigung jenseits der konventionellen Vorstellung in extremen Fällen ein Leben lang unterdrückt wird. In der Pubertät werden dazu nochmals die Weichen gelegt. Deswegen ist es wichtig, dass junge Leute sehen, dass sie anders sein dürfen. Das Theaterstück öffnet diese Tür.

Ziel des Projekts ist die Normalisierung von marginalisierten Perspektiven wie Homosexualität und transgender Identitäten. Durch das Theaterstück „Das Gesetz der Schwerkraft“ wird die Akzeptanz von Menschen aus dem LSBTTIQ+ Bereich erhöht, indem in Jugendsprache und durch szenischen Begegnungen in Alltags-Situationen die Nöte plastisch werden. In dem abstrakten und geschützten Bühnenraum wächst die Empathie für die Protagonisten auf der Bühne. Vor allem für Jugendliche, die die Hauptzielgruppe des Stückes sind, soll ein Anreiz geschaffen werden, sich mit der eigenen Identität positiv und offen auseinanderzusetzen. Dabei dienen die Protagonist_innen des Stückes als Rolemodels, Identifikations- und Projektionsfläche um sich über eigene Ängste und Unsicherheiten klar zu werden. Das Stück ist aber offen für ein allgemeines Publikum und schafft Einführung für marginalisierte Gruppen im weitesten Sinn. Durch die professionelle erzählerische Leichtigkeit der Schauspieler*innen richtet sich das Stück an alle Jugendliche ab 13 Jahren und darüberhinaus an ein breites Publikum bis ins Hohe Alter.

Schauspiel: Nic* Reitzenstein & Ilja Baumeier
Regie: Katja Ledergerber
Projektleitung: Jenny Warnecke
Sound: Anke Mob / fembpm
Grafik: Jimmy Circeline
Text: Olivier Sylvestre im Theaterstückverlag München in der Übersetzung aus dem Französischen (Quebec) von Sonja Finck

In Kooperation mit der Feministischen Geschichtswerkstatt. Die FemWerkstatt erforscht, archiviert und veröffentlicht Geschichten der Stadt aus Sicht von Frauen* und mit feministischem Blick. Dabei geht es uns besonders um die Geschichte vor Ort – in Freiburg und der Region. Theaterkollektiv RaumZeit realisiert immer wieder Projekte zu transgender und queeren Themen mit lesbischen und diesmal auch mit einem schwulen Akteur.

Das Projekt wird gefördert im Rahmen von Kultur Sommer 2020 durch den Innovationsfonds Kunst des Landes Baden-Württemberg